Amputationen als Extremform der BodyModification

Piercings, Tattoos und selbst Implants wirken fast lächerlich gegenüber dieser extremsten Form der Körperveränderung: der gewollten Amputation ganzer Gliedmaßen. Die Diagnose, eine bleibende Behinderung zu bekommen, bedeutet für die meisten Menschen einen furchtbaren Alptraum. Sonderbarerweise gibt es eine kleine Gruppe von Menschen, die genau dieses Ziel mit Nachdruck verfolgen. Sie spüren ab ihrer Kindheit den tiefverwurzelten Wunsch z.B. nach Amputation eines Fingers, einer Hand, einer oder beider Beine oder Arme. Andere möchten nichts sehnlicher als querschnittgelähmt, taub oder blind sein. Aus bislang völlig unbekannten Gründen empfinden diese Menschen ein Körperteil nicht als Teil ihres eigenen Selbst. Dieses Gefühl kann so intensiv sein, dass die Betroffenen tatsächlich eine Amputation anstreben oder, da das bundesdeutsche Gesundheitssystem dies verweigert, selbst versuchen die gewünschte Behinderung zu erreichen. Diese Personen sind der festen Überzeugung, dass ihr Äußeres erst mit einem Stumpf ihrem wahren mentalen Körperbild entspricht. Der Wunsch ist so tiefgreifend, dass die Grübeleien ob und wie sie ihr Bedürfnisin die Realität umsetzen können, ihnen oft jede Lebensenergie raubt. Erst wenn sie das Ziel erreicht haben, kehrt innere Ruhe ein.

Dozent: Prof. Dr. Erich Kasten
Dauer: 90 Minuten
Sprache: Deutsch